Guten Morgen 26.02.2010 – Stopp! Mach dem Stress ein Ende…
Guuuuuuten Morgen!
Beziehungsweise Guten Vormittag
Nachdem sich meine Wetterwünsche bis gestern erfüllt haben, wehrt es sich heute ein bisschen. Aber ich bleibe dran. Meine unerbittliche Wunschliste sieht heute Sonnenschein vor und diesen Wunsch lass ich mir nicht so schnelle nehmen.
Das Thema heute lautet:
STOPPP!
Das Leben ist bewegt keine Frage. Alles verändert sich – ständig. Die Welt dreht sich, die Menschen machen und tun und manchmal, an ganz bestimmten Tagen geht irgendwie alles viel zu schnell. Zumindest für das eigene Empfinden.
Wir haben einen Patzen unerledigter Arbeit vor uns liegen, der Chef will noch schnell eine Auswertung haben, die Mutter hat schon drei Mal angerufen, weil sie wissen will ob du nun zur Familienfeier kommst, die Oma liegt im Krankenhaus und “gehört besucht”, das Kind muss heute früher von der Schule abgeholt werden, Freitag ist und es soll noch eingekauft werden für’s Wochenende. Besuch hat sich für Sonntag angekündigt, putzen steht also auch noch an. Ein unzufriedener Kunde beschwert sich, zum Termin kommst du bestimmt 10 Minuten zu spät und eigentlich willst du nur eines:
Ruhe.
Ja es gibt Tage, an denen flitzen die Energien nur so von A nach B und von dort wieder weiter. So schnell, dass wir sie kaum greifen können. Es scheint fast so, als würden wir mitgerissen werden und schon nicht mehr wissen, was wir nun als erstes tun sollen; vom Nächsten ganz zu schweigen…
- Die einen versuchen dem Druck standzuhalten, bleiben beharrlich bei einer Sache um sich dann der nächsten widmen zu können. Dem Druck standzuhalten heißt aber auch in gewisser Weise Widerstand leisten und das kostet Kraft.
- Die anderen geben dem Druck nach und lassen sich mitreißen; erledigen alles was ansteht und fühlen sich am Ende des Tages ziemlich groggy.
- Wieder andere stecken den Kopf in den Sand und tun so als wären sie nicht da. Der eine macht einen Tag blau, der andere hebt sein Telefon einfach nicht ab oder lässt sich “entschuldigen”. Aber eigentlich wissen sie genau: “Ich kann nicht davonrennen, morgen holt “es” micht ein…” Und vielleicht haben sie dann auch noch ein schlechtes Gewissen, weil sie sich den Herausforderungen nicht gestellt haben…
Illustration: Rupert Illek; Quelle: Pixelio.de
Wie auch immer, wir haben Taktiken entwickelt die alle darauf abzielen, dass wir inmitten des Trubels dennoch irgendwie bestehen können. Die aufgezählten Taktiken haben allerdings – obwohl ganz unterschiedlich – eines gemeinsam: Sie richten sich nach dem Tempo, das von außen vorgegeben wird. Widerstand, sich mitreißen lassen und auch Kopf in den Sand stecken – alles das sind Dinge, die wir tun WEIL das vorgegebene Tempo so rasant ist.
Nun wie wäre es, wenn uns das alles was da so vor sich geht, völlig unbeeindruckt ließe? Was wäre, wenn die Welt sich immer schneller zu drehen scheint und du einfach da bist und das Treiben beobachtest ohne dich gestresst zu fühlen?
Ich selbst gehöre zu den Menschen, die oft meinen “alles schaffen zu müssen”. Wir meinen, wir müssten alle Aufgaben, die uns gestellt werden innerhalb der “vorgegebenen” Zeit erledigen. Manchmal machen wir diese Zeitvorgaben selbst und kalkulieren zu knapp. Manchmal werden uns Zeitspannen vorgegeben und wir nehmen sie als gegeben an und tun alles um das Erforderliche in dieser Zeit zu bewältigen. Und das kostet Kraft. Zwar “kostet” alles in gewisser Weise Kraft, nur in einem gesunden Kreislauf haben wir Phasen in denen wir auch Kraft tanken können. Ist das nicht der Fall, fühlen wir uns erschöpft, ausgelaugt und irgendwie ziemlich “fertig”. Es wird gefordert und gefordert und wir laufen den Aufgaben nur noch hinterher. Schlechtestenfalls geschehen aufgrund unseres niedrigeren Energielevels Fehler. Bestenfalls schaffen wir alles und fühlen uns danach “nur” ausgelaugt. Bestenfalls? Ist das wirklich der beste Fall? Wenn wir so erledigt sind, freuen wir uns meist am Ende eines solchen Tages nicht einmal über unsere Erfolge, wir sind einfach zu erschöpft.
Den Dauergestressten unter uns möchte ich gerne ein paar Aspekte mitgeben, über die zumindest ein Mal nachgedacht werden kann…
- Ein Kuchen, der eine Stunde im Backofen sein muss um genießbar zu sein, wird niemals in 30 Minuten fertig sein. Nicht mal, wenn du dich auf den Kopf stellst. Bestimmte Dinge brauchen ihre bestimmte Zeit!
- Ein Auto, dessen Maximalgeschwindigkeit 180 km/h beträgt, wird niemals 250 fahren können. Du kannst so fest du willst auf das Gaspedal drücken, dein Fuß wird irgendwann beginnen erschöpft zu sein und dein Auto den Geist aufgeben. Es gibt Leistungsgrenzen!
- Ein Obstbaum kann Früchte tragen, wenn er Sonne bekommt, Wasser und Nähstoffe. Wenn er das alles nicht kriegt, wird die Ernte ziemlich karg aussehen, ob uns das nun gefällt oder nicht. Um Kraft aufwenden zu können, benötigen wir Energie!
Wenn du an einen Punkt kommst an dem du nur noch rotierst und nicht mehr weißt wo dir der Kopf steht, ist es an der Zeit “Stopp!” zu sagen und wieder zu Bewusstsein zu kommen. Wer den Dingen nur noch nachrennt, wer nicht mehr weiß wie er das alles schaffen soll, der ist nicht mehr bei Bewusstsein, er funktioniert nur noch.
Wozu ist der ganze Stress eigentlich gut? Warum meinen wir immer alle Aufgaben erledigen zu müssen?
Alles was wir tun, tun wir in Wahrheit nur um uns gut zu fühlen.
So eigenartig das klingen mag, aber…
- …du arbeitest, damit du Geld zum Leben hast. Du willst leben und dir deine Miete leisten, einen gewissen Standard (welchen auch immer) etc. Du tust das für dich selbst.
- …du kümmerst dich um Familie und Freunde, weil du sie gerne hast. Weil du es vielleicht als deine Pflicht ansiehst, aber warum erfüllst du diese Pflichten? Weil du dich dann gut fühlst, du wertgeschätzt dich fühlst, du stolz auf dich bist, du jemandem helfen kannst, der sich dann darüber freut, was dir wiederum ein gutes Gefühl beschert.
- …du versuchst alle Erwartungen “in der Zeit” zu erfüllen. Aber warum? Weil du dann gelobt wirst, Anerkennung erntest, selbst zufrieden mit dir sein kannst, als “guter” Mitarbeiter angesehen wirst etc.
Wir Menschen sind nicht selbstlos. Auch wenn wir das gerne behaupten. Wir müssen nur ein wenig zurückfragen und werden bei allem was wir tun landen bei: “Weil ich mich gut/besser fühlen will…” Streits vermeiden, Gefallen tun, Erwartungen erfüllen etc. Alles das machen wir, damit “nichts Unangenehmes passiert”, damit etwas gut oder besser ist, damit wir leben können…
Aber wie gut geht es dir denn wirklich, wenn du ständig unter Druck stehst? Wie lebenswert sind deine Tage dann?
Drücke ein Mal die Stopp-Taste und schau dir an was passiert. Die Welt wird nicht untergehen. Je mehr du mitrennst mit dem schnellen Tempo um dich herum, desto eher wird es noch schneller und noch schneller und irgendwann kommst du nicht mehr mit. Das ist nicht Sinn der Sache.
Ich hatte vor Kurzem ein Gespräch mit einem lieben Freund und er sagte etwas sehr Interessantes zu mir:
“Wenn wir jemandem etwas versprechen, wenn wir jemandem etwas zusagen, dann hat dieser Jemand eine gewisser Erwartung uns gegenüber und das nicht zu unrecht. Wenn wir diesen Deal eingegangen sind, dann werden wir ihn auch erfüllen müssen. Aber wir dürfen ihn in UNSEREM Tempo erfüllen! Egal was jemand von dir erwartet, schau dir an ob du es erfüllen möchtest und wenn ja, dann erfülle es in deiner Zeit und steh auch dazu. Jemand hat vielleicht das Recht etwas von dir zu fordern, aber wie du dieser Forderung nachkommst, das bestimmst du alleine. Es ist keine Schande zu sagen: ‘Ja ich helfe dir. Aber ich helfe dir, wann ich es will und wann ich es kann.’ ” Das waren sehr kluge Worte, finde ich.
Wir dürfen von dem Gedanken ablassen, an uns gestellte Erwartungen immer genau so und in genau der Zeit erfüllen zu müssen, die uns vorgegeben wird. Wir dürfen diesen inneren Druck loslassen zu glauben, wir müssten uns immer nach dem Außen richten. Denn das hat keinen Sinn, es führt nur dazu, dass wir uns selbst nicht mehr spüren.
Lerne “Nein” zu sagen. Du kannst es freundlich tun, aber tu es. Es wäre gut, wenn wir das lernen würden, denn sonst kann ja einfach jeder daherkommen und uns irgendwelche Vorgaben machen und wir haben nichts besseres zu tun als zu sagen: “Ja okay, mach ich.” Vor lauter Tempo, Tempo, Tempo und vor lauter Versuchen alles unter einen Hut bringen zu wollen, vergessen wir das Volumen des Hutes. Da passt nicht alles rein.
Durchatmen
Genau in den Momenten, in denen du dir nicht mehr aussiehst etwas schaffen zu können, darfst du du aufrichten, deine Schultern ein Mal nach oben ziehen und bewusst durch die Nase ein- und den Mund ausatmen. Und du darfst im Geiste sagen: “Halt. Jetzt mal langsam.”
Du musst zu einem Termin, bist spät dran, der Verkehr sträubt sich, die Ampeln stehen ständig auf Rot und eines ist klar: “Ich komme zu spät.” Was tun die meisten von uns dann? Sie werden noch nervöser. Die Würfel sind eigentlich schon gefallen, es ist entschieden und es steht schon fest, dass wir zu spät kommen und dennoch stressen wir uns. Wir schimpfen und versuchen noch das eine oder andere Auto zu überholen, bei Dunkelgelb noch über die Kreuzung zu kommen und wozu? Durchatmen ist jetzt gefragt. Ruf “deinen Termin” an und sag ihm, dass du dich verspäten wirst. Und bitte sag nicht, es würde sich nur um 5 Minuten handeln
Mache gleich 15 draus! Sonst machst du dir schon wieder Stress.
Ich will jetzt nicht in Lethargie verfallen und dir auch nicht einreden “Ist doch eh alles weigehend egal. Was ist schon dramatisch…” Aber wir dürfen schon lernen, dass es nicht immer um Leben und Tod geht. Schlimmstenfalls hast du jemanden um Verzeihung zu bitten, kassierst ein paar Maßregelungen und vielleicht lernst du was draus. Aber die Welt geht wirklich nicht unter. Sie geht weder unter, wenn du eine wichtige Aufgabe doch nicht erledigen kannst, sie geht nicht unter wenn jemand mal ein bisschen warten muss, noch geht sie unter wenn jemand enttäuscht ist darüber, dass er jetzt nicht bekommen hat, was er von uns wollte.
Du darfst zu dir stehen!
Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die gerne ihre Grenzen erweitern, die es gerne “schnell” und effizient mögen, aber die Ansicht: “Das Beste ist gerade gut genug.” ganz und gar nicht vertreten. Ich mag diesen Spruch wirklich nicht.
Du bist immer gut genug.
Was du bist und tust, ist immer gut. Du bin ein Mensch mit Stärken und Schwächen und beides ist in Ordnung. Stark und schwach machen dich aus. Licht und Schatten bedingen einander. Und deshalb ist es völlig okay, wenn du dich so nimmst wie du bist. Denn das bist nun mal du. Und wenn du lernst dich so anzunehmen, dann werden auch andere dich so annehmen. Denkst du aber insgeheim: “Das hätt ich schaffen müssen” und hast ein schlechtest Gewissen, dann strahlst du das auch aus. Und die Menschen in deinem Umfeld werden sich ebenso verhalten. Sie werden sagen: “Und warum hast du nicht…” “Du hättest ja…” etc. Tatsächlich “hast du eben nicht”. Es ist einfach so.
Die gute Nachricht ist:
Egal was jemand von dir will und erwartet, egal ob du es erfüllen konntest oder nicht, ganz gleich ob du jemanden zufriedengestellt hast oder nicht: Du hast dich dadurch nicht verändert und auch dein Wert hat sich nicht verändert.
Der eine sagt: “Gut gemacht!” Einer anderer sagt: “Na toll, jetzt hast du dafür DAS nicht erledigt.” Würde dich das eine zu einem besseren Menschen und das andere zu einem schlechteren Menschen machen, wärst du jetzt wieder auf dem gleichen Stand wie vorger
Dein Wert kann nicht von außen bestimmt werden
Ich wünsche dir, dass du in stressigen Situationen öfter Mal durchatmen kannst und dir bewusst machst: “Was geht geht. Was nicht geht, geht nicht. Und das ist völlig okay.”
JoyJoy!