“Komm damit klar” oder “Wenn es tatsächlich keinen Ausweg gibt…”
Guten Abend meine Lieben.
Ich schreibe heute Abend seit mehreren artikellosen Tagen wieder für gutenmorgen.cc und es hat sich eine Premiere ergeben. Denn eigentlich wollte ich aus Wut heraus zu schreiben beginnen. Ich war wirklich wütend, aber es fühlte sich nicht schlecht an.
Nachdem ich das Glück habe in meiner Arbeit sehr viel mit Klienten, Freunden und Bekannten zu sprechen und mich mit den Themen des Lebens auseinanderzusetzen höre ich natürlich auch immer wieder Dinge, bei denen es mir meine Nackenhaare aufstellt. Manchmal aus Mitgefühl, manchmal aus Verwunderung und so wie heute auch aus Wut gepaart mit Verwunderung und Mitgefühl. Die Themen über die ich heute schreibe, könnten dem ein oder anderen bekannt vorkommen. Mehreren Freunden mit denen ich heute telefoniert habe, einigen Klienten die heute bei mir waren… Es ist ganz natürlich, dass mich die Dinge die ich täglich erlebe inspirieren und auch dieser Blog ist davon inspiriert. Ständig. Alles was ich schreibe und sage wurde und wird ständig bereichert. Nun ist es heute so, dass ich nahezu kaum zu den Dingen kam, die ich eigentlich hätte erledigen wollen und sollen. Ich verbrachte Stunden am Telefon, Stunden damit mich mit administrativen Angelegenheiten auseinanderzusetzen und den Rest damit zumindest die ganz dringenden Erledigungen zu machen. Dennoch blieb vieles leider auf der Strecke. Aber darum geht es in diesem Artikel nicht. Es geht darum, dass es mir sehr SEHR am Herzen liegt in einigen Punkten ein Aufwachen zu provozieren. Ich würde nicht sagen, dass ich gerne provoziere und auch nicht absichtlich. Aber heute fühle ich mich dazu „verdonnert“. Mit allen Telefonaten und Gesprächen heute wurde ich beschenkt. Ich durfte Erkenntnisse verinnerlichen und eigene blinde Flecken aufdecken und ich bin der Ansicht, dass es meine Transparenz verlangt diese blinden Flecken zu teilen. Und wenn dieser Artikel nur einem einzigen Menschen hilf etwas Neues zu erkennen und etwas ins Positive zu verändern, dann ist es schon gut gewesen.
Ich will dir erzählen worum es geht.
Nahezu der ganze Tag drehte sich im Wesentlichen um folgendes Thema:
„Ich will nicht, dass mein Leben so ist wie es ist.“
Ich möchte die Aussagen des Tages zusammenfassen. Es darf sich niemand angesprochen fühlen, weil ich diesen Artikel für niemanden Bestimmtes schreibe…
„Weißt du Pea, mein Leben ist mir einfach zu mühsam. Ich habe das Gefühl von kompletten Ignoranten umgeben zu sein, die mich entweder absolut respektlos behandeln oder sich an mich dranhängen. Die Welt ist einfach unglaublich ungerecht und ich finde, ich habe besseres verdient. Aber ich bekomme es nicht. Die Arbeit ist mühsam, die Beziehung anstrengend, jeder will irgendetwas von mir und fordert und erwartet und dabei bin ich gefühlsmäßig und energetisch schön langsam am Nullpunkt angelangt. Nichts was ich tue verändert nachhaltig etwas und ich habe schon alles in meiner Macht stehende versucht. Wenn ich weglaufe, bin ich feige, wenn ich hier bleibe dann ist alles einfach nur be********. Es gibt nichts, was ich tun kann. Das KANN ich mir nicht angezogen haben und ganz ehrlich? Ich behandle Menschen jederzeit fair. Aber SIE behandeln mich nicht fair…“
Als ich es heute das erste Mal hörte, da versuchte ich einfach nur „da“ zu sein und zuzuhören um die Problematik neu verstehen zu lernen und um vielleicht zu begreifen, dass das Leben tatsächlich nicht so einfach ist, wie ich es meine. Aber ich konnte mich noch so anstrengen, die Problematik war genau jene, die ich schon 1.000 Mal gehört hatte, es gab nichts „neu“ oder „besser“ zu verstehen. Das zweite Mal – es war ein Klient von mir – war es meine Aufgabe Ressourcen zu zeigen, die nicht gesehen wurden, also zeigte ich sie auf. So lange bis ich verstand: Der Klient WILL die Thematik gar nicht lösen. Nicht nur weil er sich in ihr suhlt und geborgen fühlt, sondern weil er lieber jede der möglichen Ressourcen zu Nichte machen wollte um zu verdeutlichen, er habe ALLES schon versucht. Er wollte mir begreiflich machen, dass er DEFINITIV KEINE LÖSUNG GIBT. Er wollte mir mit seiner ganzen Kraft die Hoffnungslosigkeit verkaufen und beschrieb mir wie ein Autoverkäufer, der am Rande der Verzweiflung ist, weil er UNBEDINGT dieses Auto verkaufen will, WARUM genau DAS das EINZIG passende Gefährt sei. Normalerweise verkaufen Menschen Ideen, Wege und Lösungen – irgendetwas, das etwas „besser“ macht. Aber mein Klient verkaufte mir keinen Weg. Er wollte mit den Endpunkt verkaufen. Das Ende der Möglichkeiten.
Zum Glück ist das mein Blog und ich darf das schreiben… deshalb tue ich es auch. Hätte es sich bei diesem Klienten um ein lebensbedrohliches Thema gehandelt, so würde ich hier nicht darüber schreiben. Aber weil es das nicht ist, ist es okay.
Der Punkt ist der, dass der Endpunkt der Tod ist. Wenn NICHTS mehr geht, wenn es 100%ig sicher ist, dass definitiv kein Ausweg mehr gefunden werden KANN , dann steht der Tod an. Aber weißt du was? Weißt du was ich zu bedenken gebe?
Dass es keinem Menschen möglich sein wird ALLE möglichen Ressourcen zu erfragen und auszuprobieren und deshalb weiß niemand ob es nicht doch nicht einen Weg geben würde und bevor er nicht TATSÄCHLICH – ich meine WIRKLICH – ALLES versucht hat, ist es kein Endpunkt. Bis das nicht der Fall ist, kann eine Lösung gefunden werden.
Vor Kurzem habe ich einen Satz gehört, der mich beeindruckt hat: „Ein Problem ist es erst, wenn es eine Lösung gibt.“ Und ich ergänze diese wichtige Aussage mit: „Und wenn es keine Lösung gibt, dann ist es kein Problem, sondern der Tod.“
Aber auch darum geht es hier nicht in diesem Artikel. Worum es wirklich geht und was mich so unglaublich wütend gemacht hat ist
- die totale Blindheit gegenüber sich selbst und dem wahren eigenen Verhalten
- die selbstverherrlichende Ignoranz von Möglichkeiten, die in Wahrheit ohnehin schon in der Goldschüssel bis zum Bett gebracht werden
- der Mangel an Willen
- die absolute Verschwendung von Kraft und Energie indem in destruktives Verhalten investiert wird, anstatt sich auf Konstruktives zu konzentrieren
- und die Tatsache, dass Menschen beladen mit all diesen zum Scheitern verurteilENDEN Verhaltensweisen zu mir kommen und sagen: „Es gibt zwar keine Lösung, weil ich schon ALLES versucht habe, aber ich gehe mal zur Pea, lade es ab und erwarte, dass sie mir hilft.“
Es war ein Freund, der heute gegen Ende des Tages anrief und mich mit genau selbigen Dingen konfrontierte und bei dem ich einen wichtigen Punkt setzte. Er rief mich an und gab mit klar zu verstehen, dass seine Situation ausweglos sei. Er mühte sich ab mit Beispielen, die mir verständlich machen sollten, dass wirklich nichts mehr geht. Ich sprach mit ihm – in Ruhe – und aus Liebe. Und ich bemerkte, dass er auf nahezu alles was ich sagte bereits eine Antwort hatte. Er überlegte nicht ein Mal! Es verging keine Sekunde und schon schnalzte er mir eine Antwort zurück, ein Beispiel oder einen Glaubenssatz. Wenige Dinge machen mich wütend. Aber es macht mich manchmal wütend, wenn sich jemand selbst die Chance auf Glück verbaut und sich dann darüber aufregt, dass er nicht glücklich ist. Es macht mich besonders wütend bei Menschen, die ich sehr liebe. Weil ich mir wünsche, dass es ihnen gut geht.
Auch ich bin ein Mensch und ich verhalte mich menschlich. Ich freue mich, ich bin traurig. Ich lache, ich weine. Ich bin voller Tatendrang, aber kann auch voller Wut sein. Ich lebe in der Polarität und ich liebe sie. Ich habe sie nicht immer geliebt
Weil ich unbedingt wollte, dass alles immer nur „gut“ ist, aber damit kam ich nicht weiter. Ich nahm das Leben mit dieser Einstellung nicht an und ich war nicht im Fluss.
Dieser Freund schilderte mir also seine Situation, wir besprachen, diskutierten. Freundschaftlich und ich war nicht in der Position eines Beraters. Und zum Schluss meinte er: „Tja. So ist es eben, wie du siehst KANN man hier einfach nichts machen. Und was soll ich jetzt tun? Hast du einen Rat für mich?“
Tja… um ganz ehrlich zu sein, so gerne ich mit Menschen arbeite, so erfolgreich meine Beratungen oft auch sein mögen und so viel Verständnis ich auch haben mag – heute – nach diesem Endsatz meines Freundes hätte ich explodieren können. Ja, ich bin da jetzt ganz ehrlich
Ich hätte mir gewünscht, dass mein Körper sich nicht etwa auflöst, sondern dass er sich mit Bomben und Karracho in seine Einzelteile zerlegt auf der Wand verteilt. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann muss ich von Herzen lachen, denn soetwas habe ich schon lange nicht mehr erlebt und ich bin meinem Freund unsagbar dankbar dafür. (Vielen Dank an dieser Stelle!!)
Kommt der tatsächlich zu mir, beschreibt mir dass es gar nicht anders sein kann als genau so wie er die Sache sieht und erwartet sich glatt dennoch eine Lösung von mir. Ist das nicht irgendwie sehr irre? Wenn man sich das ein Mal vor Augen hält. Ich denke er wird das hier lesen und er wird mir verzeihen, dass ich darüber schreibe. Vielleicht wird er jetzt auch lachen…
Was ich zu ihm gesagt habe war: „Vielleicht hast du Recht. Es gibt vermutlich keine Lösung. Ich kann dir nicht helfen und es fällt mir auch nichts mehr ein. Es schaut so aus, als müsstest du einfach damit leben. Komm klar damit. Ich kann dir nicht helfen.“
Und rate was er gesagt hat: „Na du bist vielleicht eine tolle Beraterin. Ich komme und bitte dich um Hilfe und DU sagst mir, es gäbe keine Lösung? Du sagst mir ich soll damit klarkommen, hey ich KANN damit nicht klarkommen. Das kann es ja nicht sein. Was bist du für ein Freund?“
Vielleicht kennst du den Punkt in Gesprächen bei denen man nur noch Falsches sagen kann. Männer beschreiben das oft, wenn sie von Diskussionen mit ihren Frauen erzählen
Das war so ein Moment. Alles was ich sagte wurde von Beginn des Gesprächs an mit dem „Du-hast-doch-keine-Ahnung-und-nichts-was-du-sagst-kann-mir-irgendetwas-neues-beibringen-Abwehr-Handkantenschlag“ zu Nichte gemacht. Und um ehrlich zu sein, wenn mir jemand in Zukunft mit diesem Handkanten-Abwehrschlag kommt, dann werde ich ganz transparent werden und einfach nur da sein und schauen was passiert.
Ich durfte aus dem heutigen Tag sehr viel lernen. Was ich daraus mitnehme sind viele wichtige Aspekte:
- Jemand, der sich zu 100% sicher ist ALLES versucht zu haben, hat möglicherweise ein großes Thema mit seinem Ego und wird den Teufel tun und eine Ressource von anderen annehmen oder das Sehen eines blinden Flecks zulassen, sofern er von einem anderen aufgedeckt wurde. (Er wird später vielleicht sagen: „Ich habe erkannt, dass…“)
- Wer zu 100% sicher ist, alles versucht zu haben, der sollte noch ein Mal ganz genau darüber nachdenken, ob es wirklich so ist
- Wer davon überzeugt ist, dass es keine Lösung für sein Problem gibt, der sollte seine Zeit nicht damit verschwenden sich Hilfe zu suchen, denn das dürfte vergebe Mühe sein
- Und wer dennoch nach einer Lösung sucht, der hat noch nicht alle Hoffnung verloren und ganz offensichtlich noch genügend Kraft um doch noch weiterzumachen
Was ich heute erlebt hab – allein nur der heutige Tag ist Stoff für ein ganzes Buch. Ich bin immer noch überwältigt von den Eindrücken und den vielen Geschenken.
Menschen, die sich selbst nicht annehmen und sich fragen: „Warum liebt mich niemand“. Menschen, die sich gegenüber anderen so ignorant und respektlos verhalten wundern sich darüber, dass auch sie ebenso behandelt werden. Menschen, die aus Mangel heraus das letzte Hemd geben (das ihnen eigentlich gar nicht mehr gehört) wundern sich, dass sie nicht Reichtum zurückbekommen. Und Menschen, die auf einen bestimmten Lebensstandard bestehen, regen sich doch tatsächlich drüber auf, dass alle Welt nur ans Geld denkt.
Ist das nicht widersprüchlich? Wird mir doch glatt erzählt heute, dass es doch wohl gestattet sein sollte in einer angemessen großen Wohnung leben zu dürfen und dort machen zu können, was man wolle. Dass es doch wohl vergönnt sein sollte, dass man sich diese und jene Dinge leisten kann. Und wird sich dann tatsächlich im gleichen Atemzug darüber aufgeregt, dass die schlimme Bank einem die Hunde auf den Hals hetzt, weil die doch alle nur ans Geld denken! Ist das zu fassen? Gibt einer Geld aus, das er nicht hat und wundert sich darüber, dass dieser Mangel, den er erzeugt auch jemand anders betrifft! Möchte ein Vermieter nicht seine Miete haben? Darf anständige Leistung nicht anständig kosten? Meine Güte…
Das bringt mich zu dem Thema Leistung und Wert, aber das ist eine andere Geschichte.
Warum mich das so berührt? Ganz klar. Ich bin ein Mensch und auch ich schaffe es nicht tagtäglich jede Minute lang wie ein Buddha oder ein Jesus zu sein. Nicht ein Mal annähernd. Aber es ist schon Goldwert, manchmal eine Pause einzulegen und sich selbst zu betrachten. Sich zu fragen:
Mache denn ICH selbst alles so richtig, wie ich es mir von meinem Umfeld erwarte? Entspricht mein eigenes Verhalten dem, was ich mir vom Außen wünsche?
Und vor allem dürfen wir uns fragen: Was von dem was ich tue erklärt mir, dass sich mein Umfeld genauso gestaltet, wie es jetzt der Fall ist?
Und ich bin mir sicher, es wird Antworten geben, wenn wir uns wirklich ehrlich sind. Hornbach würde sagen: „Es gibt immer was zu tun.“ Und damit behält er recht. Wer Lebenstipps braucht, muss übrigens nicht unbedingt in eine Kirche, zum Lebensberater oder Energethiker laufen. Es reicht manchmal sich die Hornbach-Werbungen zu Gemüte zu führen *lach*
Damit will ich sagen: Das Leben weist und nahezu ständig auf die Punkte hin an denen wir arbeiten sollten. Mit jeder Herausforderung zeigt ein dicker roter Pfeil auf genau den Aspekt, den es jetzt gilt zu lernen um wieder einfacher voranzukommen.
Und wer diese roten Pfeile nicht sehen will, der wird so lange vor den immer selben Herausforderungen stehen bis es irgendwann richtig weh tut. Krankheiten sind das beste Beispiel dafür.
Für mich ist es an der Zeit ins Bett zu gehen. Nach einem langen und forderndem Tag, einem befüllt mit Geschenken und Reichtum an Ideen darf ich mich heute verabschieden und dir wünschen, dass tapfer genug bist dich selbst endlich zu sehen. Es kann schockieren, wenn du das erste Mal erkennst, dass es wirklich in deiner Hand liegt. Dein Leben. Es kann sehr verwirren zu erkennen, dass alles was gerade um dich herum ein Produkt deiner inneren Haltung ist. Aber es kann dich auch erlösen, wenn du begreifst, dass du als Schöpfer, als Mensch aus Fleisch und Blut, als der der du bist mit allen Stärken und Schwächen dennoch die Kraft hast, alles zu sein, alles zu erreichen und dein Glück selbst in die Hand zu nehmen.
Alles Gute damit!
JoyJoy!