Ehrlichkeit ist selten. Sei besonders!
Weißt du was in der Welt oft sehr schwer zu bekommen ist? Noch schwerer als Wasser, Essen, Geld? Es ist die
Ehrlichkeit
Und um die geht es auch im heutigen Artikel. Die meisten von uns kennen den Spruch: “Die Welt ist das, was du von ihr hältst.” Und dennoch kann es dem ehrlichsten Menschen auf Erden hin und wieder passieren, dass auch er angelogen wird. In den meisten Fällen spüren wir es insgeheim. Aber die meisten Fälle sind es auch, in denen wir dieses Gefühl ignorieren. Wir können es schließlich nicht begründen. Es ist ja “nur” ein Gefühl. Das Gegenüber verlangt nach Beweisen und wir können nur sagen: “Weil ich es fühle.”
In diesem Artikel wird es einerseits darum gehen warum es für dich vorteilhafter ist, die Wahrheit zu sagen. Und es wird andererseits darum gehen, wie du damit umgehen kannst, wenn dich jemand anlügt. Es geht um Fragen wie:
- Aber was, wenn es nicht anders geht? Wenn die Wahrheit zu fatal wäre?
- Was, wenn ich schon in einer Kette von Unwahreiten gefangen bin und sie mich erwürgt
? - Wie gehe ich damit um, wenn ich ganz genau fühle, dass ich belogen werde, aber es mein Gegenüber nicht zugibt?
- Kann es denn wirklich funktionieren, immer ehrlich zu sein?
- Ich KANN nicht zu dem stehen, was ich denke und fühle. Das würde mein Gegenüber komplett umhauen!
Fakt ist
Wir Menschen lügen durchschnittlich 200 Mal am Tag
“Danke gut und dir?”
“Natürlich will ich wissen wie es dir geht.”
“Ja, mach ich.”
“Ich weiß nicht genau.”
“Natürlich Chef, hab ich schon gemacht.”
“Ich liebe dich auch.”
Und das sind nur wenige unserer Standardlügen, die wir den lieben langen Tag so verbreiten. Natürlich ist uns das nicht wirklich bewusst und wenn doch, dann greift immer noch das Prinzip der “Notlügen, die sich einfach hin und wieder nicht vermeiden lassen”.
Gute Gründe für’s Lügen
Für’s Unehrlichsein haben wir meistens sehr gute Gründe parat. Wir wollen das Gegenüber nicht verletzen; meinen einen Nachteil daraus zu ziehen, würden wir jetzt die Wahrheit sagen; wir haben jemandem versprochen ihn nicht zu verraten; etc. Aber hast du dir schon ein Mal überlegt, dass nicht das Sagen der Wahrheit den anderen verletzt, sondern das, was du getan hast? Dass eine Lüge auf immer eine bleiben wird, eine Kette auslöst, die früher oder später negativ auf dich zurückfallen könnte? Dass du ab dem Zeitpunkt an dem wir jemand anders versprichst sein Tun “nicht zu verraten” Teil dieser Tat wirst? Es mag dich hart treffen, aber so ist es leider.
Andere Gründe dafür “nicht ganz ehrlich” zu sein sind oft auch Angst und Unsicherheit. (Diese Gründe sind übrigens moralisch viel einfacher zu vertreten in unserer Gesellschaft
) Wir wollen nicht verletzt werden, wir täuschen Coolness und Mut vor, wobei uns in Wahrheit vielleicht sogar zum heulen zu Mute ist. Wir meinen stark sein zu müssen, haben Angst jemanden zu verlieren etc. Gemein gesagt sind das sehr egoistische Gründe. Aber ich will jetzt nicht gemein werden. Eigentlich geht es uns nämlich immer um eines. Um die Liebe, die wir nicht verlieren wollen oder gerne bekommen möchten. Wir verstellen uns um gemocht zu werden, unseren Job zu behalten, einen bestimmten Menschen zu beeindrucken, ja wir verstellen uns sogar vermeintlich um unser Selbst wegen und um nicht zugeben zu müssen, dass wir gerade unsere eigenen Werte verletzen. Das letzte was wir schließlich verlieren können (und wollen), ist der Respekt gegenüber uns selbst.
Lügen ist kein Verbrechen
Was wir uns immer vor Augen halten sollten ist, dass Lügen kein Verbrechen ist. Lügen ist lediglich das Verheimlichen der Wahrheit; das Vortäuschen von nicht vorhandenen Tatsachen; das absichtliche Verdrehen der Wirklichkeit; der Versuch etwas darzustellen, was es nicht gibt; Das Nicht-Wahrnehmen-Wollen von etwas, das wahr ist. Die Lüge an sich ist niemals das Problem. Sondern das, was vor der Lüge ist. Der Satz: “Nein ich habe dich nicht betrogen.” Ist nicht das, was das Gegenüber schließlich verletzt, es ist der Betrug der vorausgeht. Leide vergessen wir das oft und schieben der Lüge die Schuld für die Konsequenzen in die Schuhe. Dabei kann sie in den meisten Fällen gar nichts dafür. Das wofür wir uns “schähmen”, das was wir uns wünschten nicht gesagt, gedacht oder getan zu haben… das ist es, was unangenehm ist.
“Interessant ist, dass wir im Moment des Lügens plötzlich voll bei Sinnen sind. Plötzlich können wir bewusst handeln. Schließlich müssen wir ja “denken” um Lügen zu können. Wie wäre es wohl, wenn wir diese Bewusstheit schon vor der Lüge an den Tag legten?”
…sagte ich vor kurzem in einer heißen Diskussion zum Thema Ehrlichkeit und Notlügen.
Und es ist tatsächlich so. Auf ein Mal sind wir total im Jetzt. Wir realisieren, was wir getan haben und fühlen die vermeintliche Verletzung von gesellschaftlichen Normen, Wertvorstellungen, Glaubenssätzen etc. Wie wäre es, wenn wir einfach ein Mal überlegen, ob uns diese Normen überhaupt gefallen? Offensichtlich nämlich nicht! Und spätestens dann ist es an der Zeit seine eigenen Wertvorstellungen gründlichst zu überdenken.
“Wenn ich nur daran denke einen ganzen Tag lang die Wahrheit sagen zu müssen… da würden mich bestimmt 50% der Menschen in meinem Umfeld hassen!”
Ist dir bewusst, dass sie das in Wahrheit dann schon jetzt tun? Nur wissen sie es nicht?
Gute Gründe für die Wahrheit
Die Wahrheit ist gesund für Körper, Geist und Seele
Wenn du immer wieder etwas in dich hineinfrisst, dann tust du dir selbst nichts Gutes. Schon aus rein gesundheitlichen Gründen ist es nämlich besser zu dir zu stehen und dem was wahr ist. Ohne jetzt Angst und Schrecken verbreiten zu wollen: Tatsache ist, dass sehr viele Krebspatienten von sich selbst im Nachhinein sagen, dass sie über Jahre – oder sogar Jahrzehnte – bestimmte Dinge einfach kontinuierlich hinuntergeschluckt haben. Sie haben all das, was ihnen gegen den Strich gegangen ist einfach in sich hineingefressen. Solange, bis der Krebs die Aufgabe übernommen hat, den Körper von innen heraus “aufzufressen”. Viele Menschen bekommen böse Magenschmerzen, wenn sie sich immer wieder die Wahrheit verkneifen und auch der Spruch “das liegt mir böse im Magen”, wenn uns etwas einfach nicht loslässt, kommt nicht von Ungefähr. Hast du schon ein Mal Kopfschmerzen bekommen von einem langen Gespräch, das dir eigentlich schon längst viel zu angstrengend geworden ist, du aber nichts dagegen unternehmen konntest? Dann weißt du was ich meine. Wie du siehst, geht es also nicht nur um das was wir gemeinhin als “lügen” bezeichnen, sondern darum zu dir selbst zu stehen. Denn mit jedem Mal in dem du genau das vermisst, stehst du nicht zu dir selbst.
Wahrheit bedeutet Selbstliebe
Alles was du bist und tust, ist die reine Wahrheit. Ist doch logisch. Dass du hier bist, ist tatsächlich so. Was du tust, denkst und fühlst, ist ebenso eine Tatsache. Alles was du bist, ist also die reine Wahrheit. Was bringt dich dazu, diese Tatsachen vertuschen zu wollen? Um glücklich zu sein, ist eines sehr wichtig – ja sogar Voraussetzung – und das ist: Liebe dich selbst! Sich selbst zu lieben bedeutet zu lieben was man ist, tut, sagt, denkt fühlt… Wie willst du glücklich sein, wenn du nicht verleugnest? Das zeigt doch nur, dass du dich selbst nicht so annimmst wie du bist. Es zeigt, dass du es falsch findest, was du bist, denkst, tust und/oder fühlst. Versteh mich bitte richtig, denn ich meine es tatsächlich so: Zu dir zu stehen bedeutet Selbstliebe bedeutet Glücklichsein.
Verleugnen führt zu Dissonanz und zu Unzufriedenheit
Oder anders: Zu dir zu stehen führt zu Zufriedenheit. Tatsächlich ist es so, dass sich Menschen tendenziell eher selbst lieben und annehmen können, die nach ihren eigenen Wertvorstellungen leben, die sich selbst also treu sind. Sind wir das nicht und täuschen ständig etwas vor, so führt das früher oder später zu einer Dissonanz in Kopf. Es bleibt allerdings nicht bei dieser Dissonanz. Früher oder später sehen wir uns in einer Identitätskrise und das ist nur zu verständlich. Zu Beginn ist uns vielleicht noch bewusst, wer wir in Wahrheit sind, während wir uns verstellen. Aber nach einer gewissen Zeit, geht dieses erfundene Selbstbild in uns über. Allerdings nicht zu Gänze. Es bleibt immst ein Stück echtes Ich übrig. Irgendwann sehen wir uns an einem Punkt an dem wir bemerken: “Ich tue zwar so, aber irgendwas stimmt nicht. Irgendwie klappt etwas nicht ganz so wie es klappen sollte bei einem erfolgreichen/glücklichen/reichen/selbstsicheren/geduldigen/ruhigen/liebevollen/etc. Menschen.” Naja, das kommt einfach daher, dass das alles nicht wirklich echt ist. Dass wir uns dann fragen: “Wer bin ich eigentlich? Was will ich?” ist ganz klar.
Wahrheit verschafft dir Respekt
Und: Wahrheit ist ein Ausdruck von Respekt. Dir selbst und anderen Gegenüber. Natürlich können wir uns nur respektieren, wenn wir für “richtig” befinden, was wir denken, tun, sagen und fühlen. Tun wir dies nicht, so verlieren wir früher oder später den Respekt vor uns selbst. Wirst du von jemand anders belogen, so ist auch das nicht unbedingt ein Ausdruck seines Respekts und auf der anderen Seite wirst auch du ein Stück Achtung vor diesem Menschen verlieren. Wir können also gut und gerne festhalten: Wahrheit hat etwas mit Respekt, Wertschätzung und Achtung zu tun. Wir achten uns selbst und wir achten auch den anderen. Was das mit dem Gegenüber zu tun hat? Das ist recht einfach. Nun, ich werde jetzt nicht anfangen mit dem Satz: “Das Gegenüber hat die Wahrheit verdient.” Denn was der oder der verdient hat, das kann ich nun wirklich nicht beurteilen. Ob jeder die Wahrheit verdient hat, also davon habe ich keine Ahnung. Hat jemand der selbst ständig lügt denn die Wahrheit verdient? Ich weiß es nicht, wäre also reine Mutmaßung. Jedenfalls aber respektierst und anerkennst du sowohl die Intelligenz als auch das Gefühl des anderen, indem du ihm die Wahrheit sagst. Tatsächlich fühlen wir nämlich auf einer übergeordneten Ebene immer was wahr und was unwahr ist. Auch wenn das Gegenüber behauptet die Wahrheit zu sagen, wir können intuitiv fühlen, wenn es nicht so ist. Ich gehe also sogar schon soweit zu sagen:
“Eine Lüge ist die Beleidigung sowohl der Intelligenz als auch des Gefühls des Gegenübers.”
Klingt brutal? Ist es auch, aber nicht dieser Satz, sondern das nicht Anerkennen dessen, was das Gegenüber ist. Ein Mensch mit Gefühl und Verstand. Besonders schlimm wird es, wenn uns dieser Mensch sein Gefühl und seine Bedenken auch noch äußert und wir immer noch auf dem Gegenteil beharren, von dem wir in Wahrheit wissen, das es nicht stimmt. Ab diesem Zeitpunkt haben wir schon den gesamten Respekt vor uns selbst und dem Gegenüber verloren. Das Einzige was jetzt noch hilft ist sofortige Klarheit. Das Schlimme ist leider, dass die Menschen, die eigentlich genau fühlen was Sache ist, sich aber vom Gegenüber die falschen Tatsachen einreden lassen oft plötzlich beginnen an sich selbst zu zweifeln. Und das ist keine schöne Sache. Wenn du das mit deinem Gegenüber gemacht hast, dann sei dir über Eines im Klaren: Du hast einen Menschen, der dir offentsichlich zu tiefst vertraut und dich liebt gerade doppelt verletzt. Ob er es weiß oder nicht. Wie geht es dir dabei?
Woher ich das alles weiß? Ein paar Aspekte kommen klar von “Billas Hausverstand”, andere durfte ich aus der Arbeit mit meinen Klienten gewinnen. Aber die meisten davon aus meinem eigenen Leben. Ich habe gelogen, ich wurde belogen. Ich habe verleugnet, ich wurde verleugnet und ich habe betrogen und wurde betrogen. Solange bis mir irgendwann ein Licht aufgegangen ist. Gottseidank. Denn mir wurde bewusst, was es bedeuten kann, nicht zu mir zu stehen, jemandes Respekt zu verlieren und die Achtung vor jemanden zu verlieren. Und es brachte Schmerz und Trauer und Probleme und Konsequenzen, die mir nicht gefielen und und und. Ich laufe also keineswegs mit einem Heiligenschein durch die gegend und versuche Sünder zu bekehren
Ganz bestimmt nicht. Ich versuche dir zu erzählen, was passieren kann und was dich nicht treffen muss. Du kannst dir also einiges ersparen
Ich werde belogen
Es ist nie angenehm, wenn wir das Gefühl haben belogen zu werden. Ein Mal abgesehen von den Situationen in denen wir eine Lüge nachweisen können: Was tun, wenn das Gefühl sagt “Da stimmt was nicht?” Ich möchte dir dazu eines sagen: Dein Gefühl täuscht dich nicht. Das Einzige was du beachten solltest ist die Unterscheidung zwischen Intuition und Interpretation. Intuition ist das innere Gefühl heraus, das keine Worte kennt. Obwohl wir es oft so ausdrücken, sagt das Gefühl selten ganze Sätze wie: “Ich fühle, dass du mich betrügst.” Das ist nämlich nur die Interpretation eines mulmigen/unguten Gefühls, das wir in der Bauchgegend haben. (Beim Betrug meistens in der Herzgegend und im Bereich des Unterleibs.) Was wir also vermeiden sollten, wenn wir so ein Gefühl haben ist es, es in Worte zu fassen, die nicht aus dem Bauch, sondern dem Kopf kommen. Sie sind meist “nur” Interpretation. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, aber wenn dich dein Gegenüber tatsächlich achtet, dann achtet er auch dein Gefühl. Das bedeutet, er nimmt es ernst und versucht nicht dein Gefühl zu Nichte zu machen. Das ist sehr respektlos und das darfst du deinem Gegenüber auch klarmachen.
Ich hatte vor Kurzem eine Situation in der ich das Gefühl hatte: “Da stimmt was nicht. Irgendwas ist unstimmig…” Und genau so habe ich es auch ausgedrückt. Die Antwort des Gegenübers war: “Und was genau meinst du? Worauf begründet sich deine Skepsis?” Und ich meinte: “Begünden? Wieso begründen, ich sagte es doch schon, es ist ein Gefühl.” Und mein Gesprächspartner sagte: “Ein Gefühl also und was sagt dein Gefühl schon aus, hast du denn irgendeinen triftigen Grund mir nicht zu glauben?” Und weißt du was ich antwortete? “Mein Lieber. Auf mein Gefühl kann ich mich verlassen. Es täuscht sich nie. Ich werfe dir nichts vor, ich äußere meine Gefühle und ich lade dich ein, diese Gefühle zu respektieren. Du hast aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten. Sage du mir, was ich nicht wissen kann, aber fühle. Oder lasse mich mit dem was ich empfinde im Regen stehen und ich lasse dich im Regen stehen.” Es mag hart klingen, aber die Konsequenz war, dass ich die reine Wahrheit in all ihrer Härte erfuhr. Und es war gut so.
Bedenke bitte immer eines: Bevor du jemanden in die Ecke drängst und ihm eine Lüge vorwirfst, bevor du interpretierst und dein Gegenüber mit dieser Interpretation niederschmetterst, höre ganz genau auf dein Gefühl und äußere, was dein Gefühl dir sagt ohne dir im Kopf Dinge zusammenzureimen. In der Ecke stehend, wird niemand gerne mit der Wahrheit herausrücken, erst dann wenn er nicht mehr anders kann, aber das ist dann auch oft der Endpunkt für den anderen. Ganz gleich ob er nun mit der Wahrheit herausgerückt ist oder nicht, er wird vielleicht einfach gehen ohne Rücksicht auf Verluste. Ganz gleich in welchem Verhältnis er zu dir steht. Den tyrannischen Befrager zu spielen, macht mehr kaputt als du vielleicht meinen magst. Oft genauso viel wie die Lüge selbst.
Wichtig ist, dass aus dem Gefühl der Unstimmigkeit kein Vorwurf wird. Äußere dein Gefühl, nimm es ernst und stehe dazu. Aber wirf dem anderen nicht deine Interpretation an den Kopf, denn die muss tatsächlich keineswegs stimmen. Wo wir vielleicht einen schlimmen Betrug hineininterpretieren, ist nämlich vielleicht nur die Unsicherheit oder ein Zweifel des Gegenübers zu finden. Unsere Sinne sind sehr sehr fein und wir spüren schon die kleinste Unstimmigkeit. Leider interpretieren wir dann oft über das Maß der Wahrheit hinaus.
Jederzeit die Wahrheit
Du kannst gerne einen Tag lang versuchen stets die Wahrheit zu sagen. Sag dem Herrn, der dir im Kaffeehaus gegenübersitzt, dass du dich gerade fragst ob man mit so einem Gesicht jemals eine Frau abgekommt. Frag deinen Chef, ob er vollkommen irre ist. Sag der attraktiven Barkeeperin, dass du sie jetzt gerne ausziehen möchtest um mit ihr zu schlafen. Du kannst es gerne tun
Ich hoffe, du kommst heil wieder nach Hause. Daraus könnte man jetzt schließen: “Die Gesellschaft verlangt ja förmlich nach Lügen! Die Wahrheit wird nur bestraft.” Aber ich kann dich beruhigen. Die Gesellschaft verlangt keineswegs nach Lügen
Du bist es, der meint gewissen Normen entsprechen zu müssen und nur dann, wenn du dich schon bei der Wahrheit selbst schlecht fühlst, wirst du auch negative Konsequenzen ernten, wenn du sie äußerst. Kleine Kinder können meist vollkommen ungestraft alles sagen was sie denken. “Wieso ist die Frau da so dick?” fragte ich meine Mama ein Mal und ich wurde milde angelächelt
Und das ist nicht etwa so, weil ein Kind alles tun und lassen kann und man ihm alles durchgehen lässt. Sondern weil Kinder aus dem Bauch heraus einfach die Wahrheit sehen und ansprechen. Und die Menschen wissen das! Angefangen beim Gefühl und Gedanken des Kindes bis hin zum letzten Buchstaben des wahrhaftigen Satzes ist einfach alles echt und wahr. Wie oft hast du denn schon versucht wirklich wahrhaftig ehrlich zu sein und dich dabei gut gefühlt?
Meistens ist es doch so, dass wir etwas fühlen oder denken, es während wir es denken im Kopf schon umformulieren sodass es in (erlernte) Normen passt und wir es – wenn schon offen dann aber zumindest – schön dekoriert und in leicher verdaubaren Häppchen endlich aussprechen können, so dass es das Gegenüber ja nicht falsch (oder nicht richtig!!) verstehen kann. Dass wir auf eine so schön dekorierte, eigentlich unehrlich verschönderte, halbdirekte Wahrheit eines auf den Deckel bekommen, scheint jetzt nicht mehr so unverständlich oder? “Weißt du es ist ja so, dass ich eigentlich schon ein Mal gesagt habe, dass ich das jetzt nicht so unbedingt total gern mag und deshalb und weil und bla.”
Na und da erwarten wir uns ein erfreutes: “Ja DANKE, dass du so ehrlich bist zu mir?”
Der Unterschied zwichen Wahrheit und Brutalität
Wer aus Überzeugung und Intuition die Wahrheit ausspricht, wird nicht dafür verurteilt werden! Es ist wirklich so. Deine innere Stimme, deine Intution ist die Sprache der Seele und deine Seele würde niemals verletzend sein. Sie ist offen, direkt und wahrhaftig, aber niemals verletzend. Alle Aggression, die wir oft mit der Wahrheit transportieren entspringt nicht unserem innersten Gefühl und unserer Seele. Wenn wir eine Wahrheit aggressiv und angespannt transportieren, dann nur weil sich schon etwas aufgestaut hat. Das hat nichts oder nur mehr wenig mit der eigentlichen Wahrheit zu tun. “Ich sag’s dir jetzt mal ganz offen und ehrlich: Ich liebe dich nicht mehr, verstehst du das endlich?” Woher kommt dieser Satz? Aus deiner Seele? Bestimmt nicht. Er kommt aus der Wut, der Aggression heraus und deshalb ist er so verletztend. Deine Wut und deine Aggression sind verletztend, nicht die Wahrheit wäre es gewesen. “Sie sind doch irre Chef!” nicht die Wahrheit – die nämlich lautet “Ich bin anderer Meinung, ich zeige Ihnen wie wir ein besseres Ergebnis erzielen könnte.” – ist der verwerfliche Satz. Sondern die Aggression, die du mit deiner aufgestauten Wut ausdrücken würdest ist das, was negative Konsequenzen nach sich ziehen wird.
Wenn du von Beginn an ehrlich bist, dann ersparst du dir und dem anderen deine innere Aggression und Wut und kannst bedenkenlos die Wahrheit sagen.
Eingangs habe ich gesagt, dass Ehrlichkeit sehr selten ist auf dieser Welt. Erinnerst du dich noch? Ehrlichkeit ist also etwas sehr besonderes.
Wenn du also schon immer etwas Besonderes sein wolltest, dann hast du jetzt die Gelegenheit.
Sei einfach ehrlich
JoyJoy!