Werde zur Quelle – oder – schätze was um dich herum ist…
Guten Morgen!
Die Sonne strahlt vom Himmel – zumindest hier nahe Wien. Der Tag ist so herrlich, wie viele Menschen in meinem Leben. Und um diese Menschen – jene, die uns umgeben, die wir schätzen, die uns lieben und die wir lieben – geht es heute.
Ein Fass ohne Boden
Bei einem Fass ohne Boden können wir zwei Aspekte beobachten. Es kann ein Fass sein, aus dem wir immer heraus schöpfen. Wir schenken uns immer wieder ein und es wird niemals leer. Oder es kann ein Fass sein, das wir gerne befüllen würden. Wir füllen etwas hinein, wir bemühen uns, es endlich voll zu bekommen, aber es sieht so aus, als würde es niemals überlaufen. Täglich schütten wir Energie hinein, aber es wird und wird nicht voller.
Manchmal sind wir selbst das Fass ohne Boden und bemerken nicht, wie sehr sich Menschen um uns herum bemühen, uns einzuschenken. Sie geben Liebe, Energie, Aufmerksamkeit und wir verhalten uns wie ein Fass ohne Boden. Wir nehmen einfach nur an und geben nichts zurück. Dabei würden wir uns selbst niemals als bodenloses Fass sehen. Aber offensichtlich glauben wir, das Gegenüber habe Energie ohne Ende. Irgendwann bemerken wir, dass das Fass leer ist. Wir bekommen nichts mehr und dann stehen wir verwundert da und fühlen uns unglaublich enttäuscht, weil wir nicht mehr aus dem Vollen schöpfen können.
Was ist da wohl passiert?
Ich möchte ein wenig ausholen. Wenn du dich so umsiehst in deinem Leben, nachdenkst über die Menschen, die im Moment für dich da sind – jene, die dich aus ehrlichem Interesse heraus immer wieder fragen wie es dir geht, die dir schreiben, dich anrufen – wer von ihnen würde dir fehlen, wäre er nicht mehr da? Na, wer fällt dir ein?
- Wer gibt dir besonders viel Zuneigung, die du vermissen würdest?
- Wen kannst du anrufen, wenn du reden willst?
- Wer gibt dir ehrliches Feedback, wenn du eine zusätzliche Meinung einholen willst?
- Wer umarmt dich, wenn du Geborgenheit brauchst?
Diese Menschen sind es, die für uns da sind. Diese Menschen sind es, die uns Halt geben, wenn wir selbst keinen finden. Sie sind es, die uns immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Diese Menschen lieben uns und vermutlich lieben wir sie auch.
Der Grund warum ich all diese Fragen stelle ist der, dass ich dir gerne einen Denkanstoß geben möchte.
Nur zu oft nehmen wir das was wir bekommen als selbstverständlich an. Mit allem was wir bekommen, scheinen auch die Erwartungen zu steigen bezüglich dessen, was wir als nächstes erhalten möchten. Es muss immer mehr her. Und auch mit manchen Menschen gehen wir so um. Sie bemühen sich, für uns da zu sein und sie sind es auch, aber wir sind blind und taub.
Ich persönlich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass alles was passiert, nicht nur einen Grund, sondern auch einen Sinn hat. Und so verhält es sich auch, wenn ein Mensch (fast) ständig gibt und einer (fast) ständig nimmt. Menschen, die notorisch Energie aufwenden und in jemanden investieren, der ihnen nichts zurückgibt, ziehen natürlich auch ihren Nutzen daraus, keine Frage. Sie wollen es so und das kann vielerlei Gründe haben. Man könnte sie also einfach lassen und sich drüber freuen, dass wir immer etwas bekommen. Der Punkt ist nur der, dass auch dieser Mensch irgendwann wieder zu Bewusstsein kommen wird. Und dann ist es vorbei. Und vielleicht, werden wir dessen Energie, Liebe und Zuneigung dann vermissen.
Ein Tropfen auf dem heißen Stein oder unerschöpfliche Quelle
Wenn wir uns also so umsehen und uns derer bewusst werden, die für uns da sind, dann dürfen wir uns gut und gerne hin und wieder fragen: „Ist meine Dankbarkeit für das was ich bekomme so groß wie das Geschenk, das ich erhalte? Lasse ich die Menschen, die sich so herzlich um mich kümmern wissen, dass ich es überaus schätze (natürlich nur, WENN ich es schätze
)? Wie sieht das Verhältnis aus von Geben auf der einen und Geben auf der anderen Seite? Ist es ausgeglichen?“
Und nur zu oft werden wir erkennen, dass eine grobe Unausgeglichenheit besteht. Wir erkennen das ganz klar an Disharmonie. Verhältnisse, Beziehungen, Partnerschaften und Freundschaften, die nicht ausgeglichen sind in dem was von beiden Seiten gegeben und genommen wird, sind selten harmonisch.
Weißt du, worum es hier geht ist keinesfalls das sagenumwobene „Schlechte Gewissen“. Sondern es geht um Wertschätzung, Dankbarkeit und Respekt und darum, dass wir – nicht zu Letzt um unser Selbst Willen – Ausgeglichenheit anstreben dürfen.
Liebe mag unerschöpflich und grenzenlos sein, aber wir Menschen können erst dann Grenzenlosigkeit erfahren, wenn wir sie selbst leben. Wir können Liebe, Zuneigung und Wärme nur dann aus einer unerschöpflichen Quelle beziehen, wenn wir selbst eine unerschöpfliche Quelle sind.
Ich kenne Menschen, die ständig unzufrieden sind – ihnen fehlt meistens etwas. Geld, Liebe, Zuneigung, Geborgenheit, Schlaf, Gesundheit. Und sie jammern. Manche versinken in Selbstmitleid, manche lenken sich ab, manche versuchen vor diesem Mangel davonzulaufen und andere stopfen sich mit allerlei Schmarren voll, der das was ihnen eigentlich fehlt kompensieren soll. Essen, Alkohol, Drogen, irgendetwas Gekauftem (das kurzfristig Freude bereiten soll) und manche stopfen sich sogar mit Menschen voll, von denen sie meinen, sie könnten ihnen das geben, was sie so dringend wollen. Es ist oft nicht einfach diesen Menschen transparent zu machen, was hier vor sich geht und was sie sich selbst antun. Viele dieser Menschen verstehen nicht, dass sie sich verhalten wie ein Fass ohne Boden und manchmal sogar wie ein heißer Stein.
Ein Mensch wünscht sich Nähe und Zuneigung. Schon lange hat er diese angenehmen Dinge nicht mehr bekommen. Er sehnt sich danach. Rund um ihn herum gibt es gute Freunde, Bekannte, Familie, vielleicht sogar einen Partner, aber all diese Menschen geben ihm augenscheinlich nicht das, was er sich wünscht. Seine Gedanken drehen sich um Selbstmitleid, dem Streben nach Nähe, der ständigen Suche und während er unglaublich viel Energie für Gedanken, Selbstmitleid und Suchen aufwendet – Energie für das was er sich von der Zukunft wünscht – wird er blind und taub für das Jetzt. Er sieht nicht, dass seine Familie für ihn da ist, seine Freunde ihm ebenso Zuneigung schenken, sein Partner immer wieder auf ihn zukommt. Jedes Zeichen, das einer seiner Freunde, sein Partner, seine Familie setzt, ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein für ihn. Dieser Mensch wird noch sehr lange suchen…
Es kann mehrere Gründe haben, warum dieser Mensch nicht das erfährt, wonach er sich sehnt. Zwei Aspekte möchte ich ansprechen, denn ihr Vergessen, kann unangenehme Folgen nach sich ziehen…
Nur im Jetzt können wir tatsächlich etwas erleben und fühlen
Weil er mit seinen Gedanken und Wünschen ständig in der Zukunft ist, sieht er die Gegenwart nicht mehr. Er bleibt nicht stehen und sieht sich dort um wo er gerade ist. Er kann die Schönheit, die ihn umgibt nicht sehen, weil sein Blick ständig versucht in der Ferne etwas zu erkennen. Folglich wird er nicht dankbar sein für das, was gerade da ist. Er kann es weder schätzen, noch achten, noch lieben. Und auch die Menschen, die ihm Energie schenken möchten, beachtet er nicht. Die Konsequenz daraus wird sein, dass genau diese Menschen irgendwann aufhören werden ihm Geschenke machen zu wollen. Sie werden aufhören sich um ihn zu kümmern, weil sie fühlen, dass es nie genug sein wird. Weil sie irgendwann erkennen werden, dass das was sie zu geben bereit waren, nicht geschätzt wird. Und das wird diesen Menschen natürlich nur noch bestätigen in seinem Glauben und seinem Verhalten…
Das Prinzip von Saat und Ernte
Zum Zweiten hat dieser Mensch Eines vergessen: Das Prinzip von Säen und Ernten. Was immer er bekommen möchte, er kann davon ausgehen, dass er es nur ernten kann, wenn er vorher eine Saat gestreut hat. Keine Sorge, ich werde jetzt nicht biblisch werden
Es ist ein einfaches Prinzip, das in seinem Ursprung mit einer Bibel oder anderen religiösen Haltungen rein gar nichts zu tun hat. Es ist einfach eine natürliche Abfolge gegen die wir uns einfach nicht wehren können. Wir können uns auf den Kopf stellen, wir können schreien und mit Händen und Füßen wild um uns schlagen, auf die Barrikade steigen, aber es wird alles nichts nutzen. Erst die Saat, dann die Ernte. Dieser Mensch hat das Prinzip vielleicht noch nicht verstanden oder kennt es nicht, oder er will es nicht sehen. Er muss auch nicht. Aber wenn er jemals bekommen möchte, was er sich wünscht, dann wird er einen Anlass dazu geben müssen. Wenn er nicht beginnt, die Menschen in seinem Umfeld und das was sie tun zu sehen, wenn er nicht aufhört in der Ferne zu suchen, wenn er nicht endlich seine Augen öffnet um Dankbarkeit empfinden zu können, dann wird er auch in Zukunft nichts zu ernten haben. Manche mögen jetzt sagen: „Aber wenn ich zum Beispiel Liebe und Zuneigung brauche, weil sie mir fehlt, was bitteschön soll ich dann säen, wenn ich es ja nicht mal habe!“ Dazu kann ich nur sagen: Wenn du 10 Orangen ernten willst, dann musst du auch nicht erst 10 Orangen vergraben um sie später wieder ernten zu können Es reicht aus, wenn du ein paar Kerne verstreust und dich um sie kümmerst und die Pflänzchen pflegst.
Ein geliebter Mensch als bodenloses Fass
Manch einer ist in der umgekehrten Situation. Es gibt jemanden, den er liebt, den er schätzt und in den er investiert. Er gibt Liebe, Nähe, Geld, Energie in welcher Form auch immer und das Gegenüber scheint es nicht zu bemerken. Zu Beginn wird er vielleicht noch nachfragen, wo die Energie denn geblieben sei. Er wird versuchen mit dem geliebten Menschen zu sprechen. Wenn das nichts verändert, dann taucht irgendwann meist Wut auf. „Nichts was ich tue, wird gesehen.“ Und dann äußert sich das, was eigentlich da ist. Tiefe Traurigkeit. Wenn es dir einmal so erging oder du das Beschriebene gerade erlebst, dann wirst du wissen wovon ich spreche. Du bemühst dich, gibst vermeintlich alles, aber dein Gegenüber bemerkt es nicht ein Mal, geschweige denn kommt es zurück. Bevor du nun einen weiteren Schritt tust, möchte ich dich einladen dich, dir selbst ein paar Fragen zu stellen und sie ehrlich zu beantworten:
- Was genau gibst du deinem Gegenüber?
- Inwiefern weißt du, dass er das auch wirklich braucht?
Und wenn du feststellst, dass der Mensch, den du liebst nachdem was du gibst, vielleicht gar nicht verlangt, dann ist vielleicht die Frage angebracht:
„Für wen tue ich das eigentlich?“
Oft geben wir einfach nur um etwas zu bekommen. Wir wünschen uns etwas und versuchen es zu bekommen indem wir das was wir noch zusammenkratzen können hinausblasen in der Hoffnung, dass etwas zurückkommt. Eigentlich wünschen wir uns Aufmerksamkeit von unserem Partner und was tun dann manche? Sie versuchen dem Partner zu zeigen „wie das geht“. Ein Geschenk hier, eine Aufmerksamkeit da, ein Gefallen hier, eine kleine Geste da. Aber es zeigt keine Wirkung. Es zeigt deshalb keine, weil auch wir krampfhaft den Blick in der Zukunft haben. „Ich wünsche mir..“, „Ich hätte gerne bitte…“ Das, was wir haben, das was im Jetzt da ist, verlieren wir aus den Augen. Außerdem wird es nichts nützen aus einem Mangel heraus etwas zu geben. Eine gute Möglichkeit ist es, den Blick auf das zu richten, was in uns ist und uns unmittelbar umgibt. Überall sind Schönheiten zu erkennen, überall Dinge, für die es lohnt dankbar zu sein. Und diese Dankbarkeit wird uns Energie schenken. Energie, die wir wieder säen können.
Wenn du tatsächlich ein Fass ohne Boden hast, einen Menschen der vermeintlich nimmt, aber es nicht bemerkt und es dir nicht ein Mal dankt, dann wird es irgendwann an der Zeit sein aufzuhören ständig etwas zu geben. Wenn es nichts geholfen hat, deine Lage transparent zu machen, sie anzusprechen, wenn nichts was du versucht hast Früchte getragen hast, dann ist die Zeit gekommen, die Strategie zu verändern und einen neuen Weg zu gehen. Dieser Weg kann hart sein, denn es mag sein, dass das Fass zu dir kommt und dir ein schlechtes Gewissen einreden will. „Du bist nicht mehr für mich da.“ „Du kümmerst dich nicht mehr um mich.“ All das und vielleicht noch viel mehr, wirst du vermutlich zu hören bekommen. Oder dein Gegenüber zieht sich einfach zurück und zeigt dir im Stillen, dass er enttäuscht ist von dir. Bewusstsein ist gefragt. Mach dir bewusst wie viel du schon gegeben hast. Und wenn es genug ist, dann lass es genug sein. Lass es wirklich ein Mal genug sein, ganz gleich was von dir verlangt wird. Aber bitte sei dir auch darüber im Klaren, dass dir dein Gegenüber indem was er tut etwas wichtiges beibringt. Sein Verhalten dir gegenüber zeigt dir Aspekte in dir selbst und wenn du es ein Mal geschafft hast das zu erkennen, dann wird sich von ganz allein der nächste Schritt ergeben.
Weil wir alle keine Buddhas sind, sondern Menschen, dürfen wir auch menschlich sein. Wir dürfen all die wunderbaren Fehler begehen, die es zu begehen gibt und all die wunderbaren Dinge tun, die es eben auch zu tun gibt. Und wenn ein Fass ohne Boden nicht verstehen will, was es den lieben langen Tag so macht, dann lass das Fass Fass sein und wende dich lieber einer Quelle zu.
Und wenn du diese Quelle hast, dann sei dankbar und schätze sie.
Und am besten ist: Du schnappst dir gleich jetzt dein Handy und rufst den ein oder anderen Menschen an, dem du dankbar bist und sagst es ihm gleich jetzt.
Einfach so
JoyJoy
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