„Du bist schuld, dass ich mich so fühle“ oder Konflikte mit Verständnis lösen
Wenn Menschen zusammenkommen, treffen sich nicht nur Lebewesen, sondern auch verschiedene Welten. Und – wie könnte es anders sein – auf verschiedenen Welten herrschen unterschiedliche Gesetze und Vorstellungen von „richtig“ und „falsch“. Das kann schon mal zu Konflikten führen…
In weiteren Artikeln werden wir uns dem Thema nähern, wie du Konflikte einfach lösen kannst. Hier geht es vorerst einmal darum, zu verstehen worum es überhaupt geht.
In meiner bisherigen Beratungs- und Coaching-Karriere habe ich vor allem eines gelernt: „Die Landkarte ist nicht das Territorium.“ (Zitat Alfred Korzybski)
Soll heißen: Das was du wahrnimmst ist nicht unbedingt die Realität. Es ist nicht mal eine genaue Abbildung der Realität, sondern es ist eine Abbildung des Teils der Realität, den du siehst, vermischt mit eigenen Modellen des Lebens, deiner Erfahrung, deinen eigenen Überzeugungen usw. Ich persönlich gehe soweit zu sagen: „Was du vom Leben hältst ist Interpretation.“
Damit möchten weder Herr Korzybski (der übrigens Mathematiker, Ingenieur, Philosoph und Sprachwissenschaftler war) noch ich deine Wahrnehmung anzweifeln. Darum geht es hier gar nicht. Sondern es geht darum seine Wahrnehmung zu erweitern und in Betracht zu ziehen, dass da noch mehr ist als das was man selbst im Moment sieht.
Nun, was hat das alles mit Beziehungen zu tun? In jeder Art von Beziehung – seien es Liebesbeziehungen, Arbeitsgemeinschaften, Freundschaften, Familie – gibt es hin und wieder Konflikte. Und ich würde sagen, dass die meisten Konflikte aus Missverständnissen heraus resultieren. Daraus, dass wir uns angegriffen fühlen, bedroht, verletzt oder beleidigt, obwohl es nicht Sinn und Zweck der Tat oder Aussage des anderen war, dieses Gefühl bei uns hervorzurufen. Denn selten wollen uns Menschen, die „in Beziehung“ mit uns stehen tatsächlich absichtlich verletzen. Meistens geht es ihnen eher darum, sich verständlich zu machen, ihren Standpunkt zu äußern, für sich selbst eine Veränderung hervorzurufen oder zu äußern, dass etwas für sie nicht in Ordnung ist. Und das ist in Wahrheit eine legitime Angelegenheit. Wenn sich jemand nicht wohl fühlt, darf er das äußern.
An diesem Punkt gilt es einige grundlegende Aspekte zu verstehen:
- Dass jemand äußert, dass ihm etwas nicht passt, bedeutet nicht, dass DU schuld bist daran. Auch nicht, wenn dein Gegenüber das sagt, denkt oder ausdrückt.
- Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt. Einzelne Worte werden vom Einen so und vom Anderen so verstanden. Das birgt unglaubliches Potenzial für Missverständnisse.
- In der Landkarte deines Gegenübers, sind manche Orte vielleicht gar nicht eingezeichnet. Wie sollte er sie also sehen können? Damit will ich sagen: Verstehe vorerst nur mal eine Tatsache: Dein Gegenüber ist anders als du; hat eine andere Wahrnehmung und KANN manche Dinge einfach nicht sehen, weil sie für ihn nicht da sind. Das lässt sich aber ändern
- Negative Äußerungen werden von den meisten Menschen viel eher gesehen als positive. Das kommt daher, dass die meisten Menschen nicht wissen, wie besonders wunderbar sie sind. Wir alle (mit ganz ganz wenigen Ausnahmen, die das nicht unbedingt nach außen tragen) empfinden gewisse Aspekte an uns selbst als „negativ“. Wir nennen das Mankos, Schwächen oder Fehler. Und diese Ausdrücke sind negativ behaftet. Wir wollen aber nicht etwas „Negatives“ sein, weil wir glauben das würde unseren Wert mindern. Wenn uns jemand also sagt, dass wir etwas falsch gemacht hätten oder falsch machen würden, dann finden wir das nicht gut und versuchen meist sofort diese „Wertminderung“ abzuwehren. Und nicht selten starten wir dann einen Gegenangriff.
- Wenige Menschen haben gelernt das auszudrücken, was sie tatsächlich empfinden. Vielleicht auch, weil sie gar nicht wissen, was tatsächlich hinter ihrer Aussage steckt. Deshalb drücken sie es so aus wie sie können und das geht oft nach hinten los.
- Menschen versuchen sich zwar „verständlich“ zu machen mit dem Ziel, dass etwas für sie besser wird. Aber sie vergessen, dass „sich verständlich machen“ auch bedeutet, dass sie Dinge so äußern sollten, dass sie für das Gegenüber auch verständlich SIND. Wenn es also mein Ziel ist, dass mein Gegenüber versteht, dass ich mich beispielsweise alleingelassen fühle, dann bringt es wenig zu sagen: „Du bist nie da, immer bist du mit deinen Freunden unterwegs. Das ist doch nicht normal!“ Das ist nicht verständlich und auch nicht das worum es mir geht.
In weiterer Folge möchte ich mit einem Beispiel arbeiten. Meiner Ansicht nach kann ein Beispiel aus der Praxis nämlich viel besser beschreiben, worum es geht…
Sabine ist unzufrieden, weil ihr Freund sich nicht um sie kümmert. Sie hat das Gefühl, dass er sie gar nicht wertschätzt und sie findet, dass sie zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Ständig ist ihr Freund Thomas mit anderen Dingen beschäftigt. Er arbeitet, kommt nach Hause und setzt sich vor den Computer oder trifft sich mit Freunden. Manchmal will er auch einfach nur in Ruhe fernsehen und zeigt kein Interesse daran, sich mit Sabine zu unterhalten oder in anderer Form zu beschäftigen. Das Sexleben empfindet sie als recht einseitig, sie würde gerne mehr verwöhnt werden, mehr wie eine „besondere Frau“ behandelt werden. Aber Thomas sieht sie eher als selbstverständlich an, nicht als etwas Besonderes, Liebenswertes. Irgendwann fing Sabine an Thomas ständig anzumeckern. Das war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Mittlerweile reicht es ihr. Aus Trotz und Enttäuschung entschließt sie sich dazu ihm einen Denkzettel zu verpassen, packt ihre Sachen und wartet darauf, dass Thomas nach Hause kommt. Innerlich hatte sie einen Deal mit sich gemacht: „Wenn er heute nach Hause kommt und sich dann wieder vor den PC wirft oder den Fernseher anschmeißt, dann bin ich weg. Dann nehm ich meine Sachen und fahr einfach ein paar Tage zu meiner Mutter und ich sag ihm nicht wohin ich gehe. Der wird sich anschaun. Mal sehen ob der dann versteht, was er verliert.“
Als Thomas das Wohnzimmer betritt (worauf sie schon eine Stunde gewartet hatte), sitzt Sabine auf der Couch und liest. Thomas gibt ihr ein Bussi und setzt sich nach einem „Puh, das war vielleicht ein Tag…“ zu ihr auf die Couch und macht den Fernseher an. Es war genau das, was sich Sabine schon erwartet hatte… „Interessiert es dich vielleicht auch wie mein Tag war?“, Sabine entnervt.
Thomas: „Bitte, jetzt fang nicht schon wieder an. Lass mich einfach mal runterkommen. Okay?“
Sabine: „Du kommst heim und das erste was du machst ist, dich wieder auf die Couch zu pflanzen und den Fernseher anzumachen. Wieso ist das so? Wieso kannst du nicht mal heimkommen wie ein normaler Mensch und dich mit deiner Partnerin unterhalten.“
Thomas: „Du sitzt auch auf der Couch! Und du liest! Was soll ich mich da groß unterhalten? Mein Tag war anstrengend und das war’s auch schon. Ich hasse es, dass du schon meckerst wenn ich nur den Raum betrete. Echt, du kannst nur motzen die ganze Zeit! Lass mich bitte einfach EINMAL nur ein Mal in Ruhe.“
Sabine: „Gut, wie du willst. Ich lass dich für länger in Ruhe. Ich fahre nämlich weg ein paar Tage. Mir reicht’s nämlich. Ich will auch meinen Frieden.“
Thomas: „Was ist denn jetzt los? Was soll der Quatsch?“
Sabine: „Das solltest du mittlerweile schon wissen. Es ist immer das Selbe. Du arbeitest, kommst heim, sitzt vor der Glotze oder dem PC oder triffst dich mit Freunden. Wenn du irgendwann heimkommst schlaf ich schon lang und dann besitzt du auch noch die Frechheit mich aufzuwecken, nur weil du schnell noch eine Runde Sex haben willst. Was meinst du wer ich bin? Glaubst du etwa du kannst mich nicht benutzen wann immer du möchtest und mich dann wieder wegstellen?“
Thomas: „Hallo? Hab ich was verpasst? Was soll die Sexgeschichte jetzt? Du tust ja so als würde ich dich zwingen mit mir zu schlafen. Sag mal hast du noch alle? Hast du schon mal daran gedacht, dass ich mich mit meinen Freunden treff und all dieses Zeug, weil es mich nicht interessiert ständig von dir angemotzt zu werden?“
Sabine: „Gut. Wenn du so die Nase voll hast von mir, dann bitte. Ich hab meine Sachen gepackt und bin weg. Überleg dir mal ein paar Tage was du willst. Vielleicht erkennst ja dann was du eigentlich an mir hast. Aufwiedersehen.“
Sabine verlässt den Raum, schnappt ihre Sachen und setzt sich ins Auto. Voller Wut und Enttäuschung weint sie bis sie bei ihrer Mutter angekommen ist.
Thomas sitzt zuhause und ist völlig entnervt. Er ruft seinen besten Freund an, trifft sich mit ihm und hat einen schönen Abend…
Sicher. Die Geschichte ist etwas kitschig, aber sie ist klassisch und kommt in verminderten und verstärkten Varianten fast täglich in vielen Beziehungen vor.
Wer ist denn nun schuld? Wer hat Recht?
Die besseren Fragen sind: Worum geht es hier eigentlich? Und was ist der Sinn dieser Auseinandersetzung?
Diese Frage stellen sich die wenigsten Menschen während eines Konfliktes. Der eigentliche Sinn dessen, das wir äußern was uns nicht passt ist, dass wir gerne einen besseren Umstand hätten. Wir möchten, dass sich etwas für uns positiv verändert. Das Interessante ist, wir drücken es aus indem wir sagen, was alles in der aktuellen Lage negativ ist. Und damit konfrontieren wir dann unser Gegenüber.
Was hätte wohl Sabine gesagt, wenn ihr Freund zu ihr gesagt hätte: „Weißt du was Sabine, mir reicht es. Ständig meckerst du herum, ich halte das nicht mehr aus. Ich fahr zu meinem Freund, da hab ich wenigstens meine selige Ruhe?“ Vermutlich hätte sie gesagt: „Was? Das ist ja wieder typisch. Jetzt gibst du MIR die Schuld. Glaubst du ich beschwere mich umsonst? DU bist doch derjenige, der immer weg ist. Der immer etwas Besseres zu tun hat als mal hier bei mir zu sein.“
So kommen die beiden aber nicht weiter. Vor allem hat im vorangegangenen Gespräch etwas Bedeutendes gefehlt: Die Liebe. Da fragt man sich doch: Warum sind die beiden zusammen? Aber das ist eine andere Geschichte.
Nun, eines solltest du wissen: Wenn du willst, dass sich etwas positiv verändert, dann konzentriere dich auf die positive Veränderung und nicht darauf, was aktuell schlecht ist. Wenn möchtest, dass etwas besser wird, dann wirst du dich darauf konzentrieren müssen, was du willst.
Als eine meiner Klientinnen mal zu mir sagte: „Aber man wird doch auch mal sagen dürfen, was einem nicht passt!“ entgegnete ich: „Natürlich, aber wenn du damit dein Gegenüber angreifst, dann wirst du damit rechnen müssen, dass er nicht positiv darauf reagiert. Es ist menschlich, nicht angegriffen werden zu wollen. Es ist deine Entscheidung. Du musst verstehen, dass du die Wahl hast: Willst du äußern was dir nicht passt an deinem Partner, willst du ihm sagen was er falsch macht oder willst du, dass etwas besser wird? Willst du, dass dein Partner weiß, dass du findest, dass er schuld ist an deiner Situation oder willst du, dass deine Situation sich verbessern kann. Und ich habe sie weiters gefragt: „Sei mal ehrlich. Was würdest du dir mehr wünschen: Dass dein Partner weiß, dass du denkst er sei schuld daran, dass du unglücklich bist oder dass ihr beide eine Lösung findet und wieder glücklich seid?“ Was glaubst du hat sie geantwortet?
Der Punkt ist der:
Energie folgt deiner Aufmerksamkeit. Veränderung folgt also auch deiner Aufmerksamkeit.
Wenn du deine Energie auf das ausrichtest was du willst, wird es leichter sein es zu erreichen.
Du gehst doch auch einkaufen und schreibst dir auf was du brauchst und nicht was du nicht brauchst. „Keine Eier, kein Schinken, keine Milch…“ Wer macht denn sowas?
Und einen weiteren Punkt haben wir schon angesprochen: Niemand ist gerne schuld. Niemand ist gerne „etwas Schlechtes“. Und in einer Konfliktsituation sollte es nicht darum gehen, dass einer schuld ist, sondern darum, dass eine Lösung gefunden wird und wir uns besser fühlen. Also warum sprechen wir nicht lieber darüber, was wir fühlen?
Die Sabine, die mehr über Kommunikation, Landkarten und Verständnis weiß, hätte das Gespräch vielleicht anders begonnen:
Thomas kommt nach Hause, setzt sich zu Sabine auf die Couch. Sabine hat das Ziel, dass etwas anders wird. Sie will sich mehr geschätzt fühlen, hätte gerne mehr Aufmerksamkeit und das Gefühl geliebt zu werden. Thomas macht den Fernseher an und Sabine sagt: „Hey Schatz. Sieht aus als wär es ein anstrengender Tag gewesen?“
Thomas: „Allerdings. Der war nicht ohne.“
Sabine: „Weißt du was? Ich werde mit dir jetzt mal deine Lieblingssendung sehen. Magst du was zu trinken?“
Thomas: „Ja gerne.“
Sabine holt Getränke und die beiden sehen sich gemeinsam die Sendung an bis zum Ende an. Thomas wirkt schon sichtlich entspannter. Sabine wendet sich Thomas zu uns fragt: „Du Schatz, ich würd gern etwas mit dir besprechen. Was würdest du sagen, wenn wir den Fernseher mal kurz ausmachen?“
Thomas: „Ähm, ja gut, was ist denn?“
Sabine: „Schatz, es ist so: Ich fühl mich nicht mehr so wohl in unserer Beziehung. Weißt du, ich hab dich sehr lieb und vielleicht ist es deshalb so, dass ich mir oft mehr Zeit mit dir wünsche. Ich habe viel gemeckert in der letzten Zeit und das war bestimmt anstrengend für dich. Für mich nämlich auch. Ich hab das nicht gemacht um dir auf die Nerven zu gehen, sondern weil ich mir irgendwie nicht zu helfen wusste. Ich hab ja immer gemeckert, wenn du dich mit Freunden getroffen hast oder vor dem PC gesessen bist, nicht wahr?
Thomas: „Ja schon. Und zwar ständig in letzter Zeit.“
Sabine: „Ja genau. Und was ich dir sagen will ist, dass ich eigentlich gar nichts dagegen habe, wenn du dich mit den Dingen beschäftigst, die du magst. Ganz im Gegenteil, ich freue mich nämlich, wenn du tust, was du magst. Es ist nur so, dass ich inmitten dieser Dinge das Gefühl hab, dass du MICH nicht mehr magst. Irgendwann – ich weiß nicht mehr wann und warum – haben wir nichts mehr miteinander unternommen und das macht mich traurig. Traurig, weil ich ja mit dir zusammen bin, gerade WEIL ich gerne mein Leben mit dir teilen möchte. Was glaubst du warum ist es so wie es jetzt eben ist?“
Thomas: „Ich weiß auch nicht. Wir können ja unser Leben teilen, aber eben nicht ständig. Irgendwie brauche ich in letzter Zeit mehr Entspannung und Ruhe und wenn wir zwei zusammen sind, dann ist es nicht entspannend. Weil du immer meckerst. Ich hab das Gefühl ich komm Heim und schon mache ich etwas falsch.“
Sabine: „Hm, das klingt wirklich nicht entspannend. Wann hat denn das angefangen, dass du dich so gefühlt hast?“
Thomas: „Keine Ahnung so genau. Vielleicht vor ein paar Monaten. Als ich damals mit meinem Kumpel öfter zum Tischfussball spielen ging. Das hat mir einfach Spaß gemacht verstehst, aber du hast dich immer beschwert von Anfang an. Dabei war das nur zwei Mal in der Woche und vorher hab ich GAR NICHTS gemacht. Ich war immer nur zuhause bei dir. Nicht, dass nicht schön gewesen wäre, aber dann kam halt das Tischfussballspielen DAZU und naja. Dass dich das so gestört hat, das war echt scheiße.“
Sabine: „Danke, dass du mir das sagst. Das ist gut, weil ich hab mir Gedanken gemacht, aber ich konnte nicht herausfinden, wann und warum das so geworden ist wie es jetzt ist…“ Sabine macht eine Pause und sagt einen Moment nichts. Sie hat sich sehr bemüht nicht zu emotional zu werden, aber nun kullern ihr halt doch ein paar Tränen hinunter.
Thomas ist sichtlich aufmerksam, er hatte nicht damit gerechnet, dass das Gespräch so ruhig verlaufen würde.
Sabine: „Weißt du, es tut mir leid, dass es alles so gekommen ist. Denn eigentlich haben wir uns sehr gut verstanden bis zu diesem Zeitpunkt. Und jetzt, jetzt sind wir beide angenervt von einander. Dabei bist du mir wirklich sehr wichtig, ich habe es eben auf eine Weise ausgedrückt, die nicht unbedingt die Geschickteste war. Aber ich konnte nicht anders. Ich fühle mich wirklich so, als würde ich dir nichts bedeuten und das tut so weh.“
Thomas: „Ach…“ Er nimmt Sabine in den Arm. „Es tut mir leid. Ich wollt dir doch nicht weh tun. Es war einfach so, dass ich mich so eingeengt gefühlt habe. Ich hab dich nicht mehr wiedererkannt zwischen all dem Geschimpfe über mich. Manchmal bin ich so lange weggeblieben bis ich gewusst hab, du schläfst sicher schon, einfach damit ich nicht schon wieder diskutieren muss. Aber als ich dann zuhause war und du neben mir lagst, da hatte ich dann doch Lust auf dich.“
Sabine: „Du meinst Sex?“ (Sabine fragt nach, bevor sie interpretiert und sagt: „Das ist ja klar, du wolltest nur Sex haben, darum geht’s also.“
)
Thomas: „Naja auch, aber nicht nur das. Sehnsucht halt nach dir. Dann hab ich dich gestreichelt und ja, natürlich wollte ich auch Sex. Sex mit DIR. Weil ich dich ja eigentlich liebe.“
Sabine: „Hm. Und wie kommt das, wenn du aber eigentlich gar nicht bei mir sein willst?“
Thomas: „Na es war ja nicht immer so. Wir hatten sehr viele schöne Zeiten und die habe ich ja nicht vergessen. Ich bin ja nicht mit dir zusammen, weil alles schlecht ist, sondern weil es auch schöne Dinge gibt.“
Sabine lächelt Thomas an.
Thomas: „Ich hab immer gedacht du regst dich einfach nur auf. Ich habe nicht gewusst, dass ich dir so fehle. Ich wollte dir nie absichtlich das Gefühl geben, du seist mir nicht wichtig. Du bist mir wichtig! Ich lieb dich doch, ich dachte das weißt du.“ Und so weiter…
Ein Paradegespräch? Keinesfalls. Aber eine Lösung ist hier sicher viel eher zu finden als nach dem ersten Gesprächsbeispiel. Sabine hat darauf verzichtet Thomas anzugreifen und anstatt ihm zu sagen was er falsch gemacht hat, hat sie ihm gesagt wie sie sich fühlt. Und sie hat ihm Fragen gestellt um zu verstehen wie er die Situation sieht. Sie hat begriffen, dass ZWEI Menschen an der aktuellen Lage beteiligt sind. In diesem Gespräch ist sie nicht automatisch davon ausgegangen, dass ihr Thomas weh tun will, sondern davon, dass es einen Grund gibt, warum er so agiert wie er es eben tut. Sie hat offene Fragen gestellt um mehr Informationen zu bekommen und sie hat ihm nichts in den Mund gelegt, sondern war ehrlich interessiert daran, etwas von Thomas zu erfahren. Und trotzdem konnte sie sagen wie sie sich fühlt.
Ganz nebenbei hat sie Thomas etwas gezeigt, was er bisher gar nicht gesehen hatte: Ihre Traurigkeit. Für ihn war es sinnloses Gemotze und ständige Kritik. Dass dahinter Verletzung und Trauer steckt, das konnte er nicht erkennen.
Natürlich müssen Gespräche wie dieses nicht so einfach von statten gehen. Sogar unter Beachtung aller Regeln der guten Kommunikation kann es zu Missverständnissen kommen und es gibt keine Garantie dafür, dass eine Lösung gefunden wird.
Hier findest du Tipps zum Thema Kommunikation:
Türöffner “offene Frage”
Zielsetzung: Was will ich erreichen?
Fragen statt interpretieren
kommt mir bekannt vor die art von diskussion… eher weil ich in der lage von “Tom” bin. aber den artikel jetzt meiner freundin zu schicken wäre auch irgendwie plump… lg andi